carto art: von der Karte zum Wandbild
Die alten Topografischen Karten der Landesvermessung, die anfangs sogar noch als
Lithografien gefertigt wurden, werden nicht mehr weitergeführt, da die moderne Computer-Technik vektorielle digitale Daten verlangt. Die neuen Daten sind zwar praktischer, die alten waren dafür aber deutlich hübscher. Dies sah zumindest der Karlsruher Grafiker und Kartograph Holger Tuttas so. Tuttas fand die Idee charmant, als letzter (und alleiniger) Abgänger des Studienganges der klassischen Kartografie an der FH Karlsruhe die ebenfalls letzten Topografischen Karten alter Form weiterleben zu lassen. Und so erwarb Tuttas das Recht die alten Karten stilisiert weiterproduzieren zu dürfen.
Die ersten Produkte der Serie carto art waren die beliebten
Stadtplan-Poster aller größeren Städte Baden-Württembergs. Es folgten die hier angebotenen Karten-Wandbilder in der
hochwertigen und dennoch günstigen Volksbilder-Version.
Für Holger Tuttas ist das Karten-Projekt kein statisches, sondern eines, das er gerne weiterentwickelt. Zum Beispiel entfernt der Kartograf Tuttas nach und nach Einzelsignaturen und Kartenelemente – wie zum Beispiel hässliche Stromleitungen – aus den Grundkarten, einfach, weil diese den Grafiker Tuttas stören! Da die alten Karten – wie gesagt – nicht vektoriell, sondern nur als Pixelbilder existieren, kann Tuttas da nicht einfach irgendwelche Linien löschen, sondern muss die einzelnen Pixel der Karten Schritt für Schritt untersuchen und schwarze Pixel dann durch weiße ersetzen. Eine Aufgabe, die vermutlich nur Grafiker mit kartographischem Background spannend finden ... ! :-)
Über Landkarten
Landkarten haben eine lange Geschichte, von frühzeitlichen Wanderkarten über tragbare Seekarten bis hin zu modernen digitalen Geoinformationssystemen (GIS). Frühe Karten dienten primär dem Überleben und der Territorialverwaltung. Mit der Entwicklung der Vermessungstechnik, der Erdbeobachtung aus Luft- und Raumfahrt sowie der Computertechnik entstanden Karten, die komplexe räumliche Zusammenhänge effizient darstellen und analysieren können. Heute ermöglichen Webkarten und App-basierte Dienste eine nahezu sofortige Orientierung, Routenplanung und räumliche Analysen – jederzeit und überall.
Landkarten sind seit jeher Begleiter der menschlichen Orientierung und Wissenssammlung. Sie fassen komplexe Gegebenheiten der Erde in einer handlichen, übersichtlichen Form zusammen und ermöglichen es uns, Räume zu verstehen, Verbindungen zu erkennen und Entscheidungen zu treffen. Ob auf Papier oder digital, Landkarten gehören zu den ältesten und dennoch fortschrittlichsten Werkzeugen der Geografie, Navigation, Planung und Wissenschaft.
Es gibt viele verschiedene Arten von Landkarten. Politische Karten zeigen Grenzen zwischen Staaten, Bundesländern, Städten sowie wichtige politische Einrichtungen. Physische Karten stellen natürliche Merkmale wie Gebirge, Täler, Flüsse, Seen und Küstenlinien dar. Topografische Karten ergänzen physische Merkmale durch Höhenlinien, Relief- shading und Geländeinformationen. Thematische Karten fokussieren auf ein bestimmtes Thema, z. B. Klimazonen, Bevölkerungsdichte, Wirtschaftsniveau oder Landnutzung.
Karten helfen, Ziele zu finden, Routen zu wählen und Entfernungen abzuschätzen. Forscher nutzen Karten, um räumliche Muster zu analysieren, Umweltveränderungen zu dokumentieren und Modelle zu erstellen. Planer berücksichtigen Geländemerkmale, Infrastruktur, Bevölkerungsstrukturen und Umweltaspekte bei der Entwicklung von Projekten. Karten erleichtern das Verständnis geografischer Zusammenhänge, historischer Entwicklungen und kultureller Verteilungen. Behörden verwenden Karten zur Planung von Evakuierungswegen, Risikozonen und Notfallmaßnahmen.
Karten in der Kunst
Mehrere berühmte Künstler haben Landkarten oder kartografische Motive in ihre Arbeiten integriert. In vielen Werken von Paul Klee tauchen abstrakte, kartografisch anmutende Linien und Muster auf, die an Landkarten erinnern. Wassily Kandinskys abstrakte Kompositionen enthalten oft geometrische Formen und Linien, die wie schematische Kartenstrukturen wirken. Jasper Johns, bekannt für Flaggen- und Zielscheiben-Motive, mischte in einigen Werken kartografische Symbole mit Pop-Art-Ästhetik. Die Raster- und Netzstrukturen von Victor Vasarely erinnern an kartografische Grid-Systeme.
In einigen Collagen verarbeitet Romare Bearden kartografische Elemente, um Raum und Orientierung menschlich zu verweben. Anselm Kiefer Verwendet kartografische Symbole und geografische Referenzen, um historische und räumliche Vergänglichkeit zu thematisieren. Sarah Sze schafft Installationen, in denen Alltagsgegenstände, Kartenfragmente und räumliche Bezüge zu Landschaften werden. Bent Steensen schließlich verarbeitet kartenähnliche Muster in Skulpturen und Installationen.